Supermarkt-Veganer


Vegan ist IN. Ohne Frage. Ein Kult, ein Trend, eine Lebenseinstellung und manchmal auch einfach nur eine Idee, die einem furchtbar auf die Nerven gehen kann. Versteht mich nicht falsch: jeder soll Leben wie er mag und essen was er will! D´Katz mog Meis – i mog´s ned!

Ich habe mich in den letzten Tagen und Wochen aus gegebenem Anlass mal damit auseinandergesetzt: mit Veganern im Allgemeinen und mit der Frage, was ich diesem Trend abgewinnen kann. Ganz schnell bin ich zu der Erkenntnis gekommen: ich bin schon ganz schön lang eine ganz besondere Art Veganer. Ein Supermarkt-Veganer!

Aber von Anfang an. Ich bin der Meinung es gibt grundsätzlich drei Arten von Veganern:

 

Typ 1 Veganer aus Überzeugung.

Menschen, die keine tierischen Produkte essen, weil ihnen die Viecher leidtun. Weil die Haltungsformen und Lebensumstände für die Viecher eine Katastrophe sind. Die ziehen das auch sonst im Leben durch und die meisten von denen, haben nicht erst Instagram gebraucht, um „Vegan“ das erste mal zu hören. Die machen das seit ganz vielen Jahren, meistens über den Vorreiter Vegetarier.

Eine langjährige Freundin von mir beispielsweise, die lebt als Leistungssportlerin vegan, seit ganz vielen Jahren schon. Sogar soweit, dass sie sich hat Reitstiefel machen lassen, ohne Leder. Find ich ziemlich cool. Sie zieht des durch.

 

Typ 2 Veganer aus gesundheitlichen Gründen.

Eine andere Freundin lebt ernährungstechnisch vegan, weil sie tierische Produkte weitgehend nicht verträgt. Ganz leise und ohne andere zu bekehren, isst sie was sie verträgt. Und das ist in den meisten Fällen tatsächlich vegan. Wenn gleich Spätzle, Kuchen und Plätzchen trotz Eiern kein Problem sind – aber sie isst es nicht gerne.

 

Typ 3 Veganer aus Trend-Geilheit.

Und dann gibt’s da diese Freaks. Die Mitläufer. Die jedem Trend folgen, weil Instagram des cool findet. Die laut rumschreien von wegen: „Vegan hier und Tierquälerei da und Fleischesser sind böse Menschen und überhaupt ist das Leben ohne Avocado nichts wert!“ Vorzugsweise posten sie Fotos von ihrem Veganen-Wocheneinkauf noch im Bio-Supermarkt.

Blöd, wenn dann am Bildrand die UGG-Boots zu sehen sind. Direkt unter dem Bildtitel: „Love animals – eat vegan!“ – oder in deren Fall: tritt die Lämmchen mit Füßen! Sorry, hört sich krass an, ist aber genau so!

Ach, und auf dem Heimweg von der Party halten sie doch noch eben schnell beim goldenen M – weil halt grad nix anderes hergeht. Und weil sie doch so Hunger haben. Einmal geht schon. Schaut ja keiner hin.

 

Für Typ 1 und Typ 2 habe ich tatsächlich Verständnis. Und ganz ehrlich: ich bin in Teilen eine Mischung aus beiden, aber ich esse Fleisch. Und Fisch. Und Eier. Und ich liebe Cappuccino.

Aber!

Und genau dieses Aber! macht mich zu einem „Supermarkt-Veganer“: ich möchte nicht, dass es den Tieren schlecht geht. Ich möchte kein Hendl essen, was in den 4 Monaten Lebenszeit mehr Antibiotika bekommen hat, wie ein Mensch in 80 Jahren. Ich möchte kein Schnitzel braten, aus einem Schwein, was nie Tageslicht gesehen hat. Und ich will keine Eier verarbeiten, die in Batterien gelegt wurden. Und ich will keine Schuhe tragen, für die kleine Lämmchen zwar ihr Fell geben müssen, das Fleisch aber auf dem Müll landet.

Die Menge machts

Supermarkt-Veganer heißt: ich kaufe im Supermarkt kein Fleisch, keine Milchprodukte und auch keinen Honig. Was mach ich jetzt? Naja, relativ einfach: zum nächsten Bauern fahren und Fleisch holen! Eier. Milch. Honig. Manchmal sogar Gemüse und Obst.

Unpracktisch? Nein! Es bedarf Planung und man kann halt nicht immer dann, wenn mal Lust hat das Essen, was „Chef-Koch“ grade vorschlägt. Man muss sich ein bisschen an die Natur halten. Kürbis gibt’s halt nicht im Frühling. Und es heißt nicht umsonst: Martini-Gans.

Unbezahlbar? Nein! Oder vielleicht doch! Wenn man jeden Tag Fleisch auf den Teller braucht. Und davon mindestens 300gr. pro Portion. Dann wird das in der Tat ein teurer Spaß. Aber das muss überhaupt gar nicht sein. Und wenn man es sich mal genau überlegt, dann geht das auch gar nicht!

Ein Beispiel? Gerne!

Eine Ente wird im März geboren. Im Frühjahr und über den Sommer genießt sie den Auslauf auf der Wiese, plantsch im Wasser, frisst Schnecken, Gras und Getreide und im Herbst ist sie kugelrund und wird fröhlich schnatternd zum Metzger gebracht. Über den Winter Enten zu halten macht wenig Sinn, sie müssen dann im Stall bleiben und können das, was sie lieben nicht tun: Wasser-pritscheln. Eine Ente hat eine Brust, zwei Haxen und zwei Flügerl – fertig. Mehr ist nicht dran. Wenn sich eine Familie an einer Ente satt essen will, dann braucht es definitiv mehr Fleisch. Oder eben eine „Sättigungsbeilage“, die trägt schließlich nicht umsonst diesen Namen.

Salami, Schinken und Co.

Jegliche Art von Aufschnitt ist tatsächlich fast aus meinem Kühlschrank verschwunden. Fast, weil selbstgemachtes essen ich immer noch gerne. Fast, weil manchmal brauch ich tatsächlich ein Radl Salami knallrote Salami.

Beim Aufschnitt geht es mir oft wirklich wie dem Gesundheits-Veganer. Ich vertrage es nicht. Nitrit, Zucker, Emulgatoren und Farbstoffe. Wer so eine Zutatenliste liest versteht kaum noch ein Wort. Da ist so viel „Ersatz- und Zusatzstoff“ drin, da wird es einem schwindlig. Unabhängig davon, dass ich gar nicht drüber nachdenken möchte, wie die armen Massen an Viechern gelebt haben müssen, damit es später in der Fleischtheke eine solche Menge an Wurst gibt!

„Selbstgemachtes ess ich gerne“ hab ich oben geschrieben. Ja, tatsächlich. Wir machen Salami, Schinken und Streichwurst tatsächlich noch selbst. Im Räucherofen, mit echten Gewürzen, ohne Nitritpökelsalz, ohne Zucker und dafür mit ganz viel Liebe. Natürlich aus unseren eigenen Viechern. Dann schmeckt Einem Ware aus dem Supermarkt einfach nicht mehr.

Ich könnte die Liste jetzt noch ziemlich lang weiterführen – aber das mach ich lieber an anderer Stelle – heute geht’s ja um Veganer.

Fazit ist, ich mag Fleisch und andere tierische Produkte. Ich bin auch der Meinung, von gesunden Tieren kann der Mensch einiges an Nährstoffen aufnehmen, was er braucht. (Anders auch, aber darum geht ja gar nicht) Vegan leben möchte ich nicht – weil ich glaube, dass viel in unserem System aufeinander aufbaut – dieses Ding mit dem Kreislauf und dem Sinn das alles ineinandergreift.

ABER: Das Tier – egal welches und egal für welches Produkt, muss im Vordergrund stehen – auch diejenigen die damit arbeiten. An Fleisch kann man sich nicht satt essen und es braucht nicht täglich Fleisch auf dem Tisch.

Zwischen: „Fleischesser sind Tierquäler“ und „alles unter 800gr. ist Carpaccio“ gibt es einen gewaltigen Unterschied.

Und liebe Trend-Veganer, die ihr so gerne alle bekehren und belehren möchtet: schaut doch nochmal nach daheim – bei all dem, was ihr nicht esst! Vielleicht sind da viel schlimmere und bösere Sachen dabei, wie ein Schnitzel! Ich meine von wegen Tierwohl und so!

Oh – Moment – mein Instagram meldet sich grade. Ach schau, meine Lieblingsveganerin Typ 3 geht grad mit ihrem Baby spazieren, in UGG-Boots, mit Lammfell-Kuschel-Einlage im Kinderwagen. Und holt sich beim Bio-Supermarkt Avocados zum Mittagessen – genau mein Humor!

 

In diesem Sinne, lebt gesund und nicht im Überfluss, schaut mal über den Tellerrand und beim nächsten Bauern vorbei. Vielleicht entdeckt ihr Essen dann ganz neu!

 

Häschtäg: Antibiotika ist kein Futtermittel – Mama macht die besten Würscht – Lammfell ist kein Abfallprodukt!

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