stiller Feiertag


Ein langer stiller Feiertag

Es ist November. Dieses Mal ist es der 8. Monat. Vorher, also bis März, war es noch ein Jahr – seit 8 Monaten ist es ein… ja keine Ahnung wie man das nennen soll!

 

Der November ist eigentlich einer meiner Lieblingsmonate. Wenn gleich er jedes Jahr mit einem stillen Feiertag in unserem schönen Bayern beginnt.

 

Alles fährt ein bisschen runter. Normalerweise habe ich mich jetzt von der Arbeit im Bierzelt erholt und freue mich auf den 11. im 11. Mit einer roten Nase und bunten Kleidern einfach mal den Alltag vergessen und aus tiefer Seele dem kölschen Herz frönen. Dieses Jahr hab ich mich ganz besonders drauf gefreut. Weil ich mich nicht vorher noch hätte als St. Martin verkleiden müssen – Kindergarten ist rum bei uns.

Ich mag den November, weil man sich in die Weihnachtsvorbereitungen begeben kann. Weihnachtsdeko aus dem Keller holen und die ersten Plätzchen backen. Lichterketten hängen in den Fenstern und hier und da glitzern rote, goldene und silberne Kugeln.

Es wird kuschlig und gemütlich zu Hause. Die Abende beginnen früh und man verbringt Zeit vor dem Kamin und auf der Couch. Es gibt heißen Tee und würzigen Glühwein und weil im November nur wenige Termine anstehen, hat man Quality-Time mit der Familie.

Endlich Freizeit

Trotzdem habe ich in diesem Monat endlich mal wieder Zeit für mich. Für das was mir so richtig Spaß macht. Den normalerweise bin ich diejenige die arbeitet, wenn die anderen sich vergnügen, feiern und tanzen. Im November darf ich zum Tanzen gehen. Da kann ich Zeit mit meinen Freunden verbringen und da habe ich Zeit für Geburtstage bei Omas, Schwestern und Freunden. Manchmal hab ich sogar Zeit zum Theater spielen.

Aber wie alles dieses Jahr – ist auch der November anders. Genau genommen ist es ein einziger stiller Feiertag. Mit einer Ausnahme: es darf gearbeitet werden. Also im Büro. Und im Einzelhandel und im Handwerk. Ich arbeite schon lange nicht mehr. Also nicht in einem Job. Nicht für Geld. Zu tun hab ich genug. Bin schließlich Alleinerziehend mit zwei Schulkindern. Eine davon steht grade vor der ersten schwersten Prüfung in ihrem Leben – in Bayern nennt man das Übertritt! Übrigens egal wohin sie tritt – schwer ist es allemal! Und viel!

Die Eine, die immer lacht.

Nicht wegfahren. Keine Freunde treffen. Nicht tanzen. Keine Geselligkeit. Nicht Essen gehen. Keine Geburtstagsfeier. Nicht Schlittschuhfahren. Keine Familienfeiern. Nicht im Café sitzen und einfach blöd schauen. Keine Shoppingtour mit Weißwurst-Frühstück. Nicht in einer Bar versumpfen. Keine ganze Nacht durchfeiern. Nicht ins Kino gehen. Keine Theaterrolle lernen für das nächste Stück. Nicht mit den Kindern ins Museum gehen. Keine Gondelfahrt auf die Berge.

Und: Nicht arbeiten. Kein Job.

Bin ich vergnügungssüchtig? Weil ich es vermisse zu tanzen? Weil ich es vermisse Menschen zu treffen? Weil ich unzufrieden bin, wenn ich daheimsitzen muss?

Ja. Ja, vielleicht bin ich vergnügungssüchtig. Aber ich steh dazu. Mit vollem Herzen sogar.

Weil eine ganze Nacht durchtanzen dem Kopf, der Seele und dem Körper gut tut.

Weil laute Musik den Kopf frei macht.

Weil lustige und gesellige Abende mit Freunden Balsam für die Seele sind.

Weil der Geburtstag von der Oma jedes Jahr der letzte sein kann.

Weil ich meine Aufgabe als Mama liebe und manchmal einfach eine halb-erwachsene Frau sein will, die komplett eskaliert und dann gegeben Falls zwei Tage krank im Bett liegt und schwört – nie mehr Alkohol zu trinken.

Weil ich gerne zu meinem Vergnügen in die Stadt fahre und mir die Menschen anschaue. Einfach so. Ohne zu denken und ohne ihnen Bier, Hendl oder Apfelschorle zu bringen.

Weil ich mit Fernreisen nichts am Hut habe, aber für mein Leben gerne auf den Berg geh und mir unser schönes Land in all seinen Facetten anschauen mag.

Ich muss das alles nicht jede Woche haben. Ich brauch es nicht mindestens einmal im Monat. Aber jetzt fehlt es mir einfach. Alles.

Versteht mich nicht falsch! Ich bin so dankbar und froh, dass alle die ich gerne hab, gesund und fit sind. Dass ich, wenn ich könnte und dürfte, egal wen anrufen könnte und man „los“ könnte. Aber! Und das ist das große ABER dieser Zeit: es fehlt mir. Es fehlt mir so sehr, dass es mir manchmal schwerfällt zu lachen.

Da derma uns ned obe!

Also gut. Dann verbringen wir jetzt eben einen (weiteren) Monat im Gefühl eines stillen Feiertags. Arbeiten nix. Tanzen nicht. Und lachen nur leise und zu dritt daheim. Zu dritt? Ja! Weil meine Kinder mich trotz all den Sorgen, Ängsten und dem fehlenden Lebensgefühl jeden Tag immer wieder zum Lachen bringen. Selbst wenn sie ihre Hausaufgaben mal nicht machen wollen oder die nächste Probe ein Thema behandelt, bei dem ich ihnen irgendwie nicht helfen kann.

Und das macht mir dann wieder Mut. Es werd scho wieder wern. Auch wenn ich befürchte, dass ich für die nächste Eskalation – wann immer das sein wird – einen Babysitter für mindestens 4 Tage benötigen werde. Weil ich halt vergnügungssüchtig bin. Zwei Mal im Jahr. Aus ganzem Herzen!

In diesem Sinne: machen wir des Beste aus dieser Zeit. Hören auf, auf hohem „Nivea“ zu jammern und samma froh, dass ma gsund san.

Häshtäg: ich bliev DisJohr zu hus – Mama, ich hab einen Job für dich – die ganze Nacht tanzen

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