Noch 3 Wochen

noch 20 Tage – und der Rest von Heute!

Tagebuch 2019 – der Countdown zur Wiesn.

Heute: Reservierungswechsel oder die unproportionale Vermehrung des Freundeskreises

Reservierungswechsel

Es ist Samstag. Der letzte im August. Wettertechnisch scheint es heute auch der letzte Sommertag zu sein. Aber heute ist auch der Samstag, an dem es nur noch drei Wochen dauert, bis die Wiesn los geht. Heute in drei Wochen haben wir alle schon unser leichtes Biergewand an. Heute in drei Wochen schaut die ganze Welt nach München. Heute in drei Wochen heißt es endlich wieder „O´zapft is“

Heute in drei Wochen ändert sich meine Perspektive.

 

Für viele ist es ja keine Überraschung mehr. Viele wissen das schon. Für mich ist es immer noch neu. Für mich fühlt es sich auch noch immer ein bisschen fremd an. Ich werde dieses Jahr keine Maß´n schleppen, keine Würschtlteller bringen und keinen Gürtel tragen auf der Wiesn. Aber ich bin dabei. An anderer Stelle. Ohne Uniform. Da wo jeder vorbei kommt. Dieses Jahr bin ich ganz vorne mit dabei. In „meiner“ Bratwurst. Wenn ich das so schreibe, dann ist das alles noch verrückter.

 

Während ich hier so am Fluss-Beach sitze, meine Füße in den Sand halte und dem rauschen des Gebirgsbachs zuhöre, denke ich darüber nach, dass in drei Wochen um diese Uhrzeit der erste Reservierungswechsel vor der Tür steht. Ja wirklich. Um 17 Uhr ist die erste Hälfte des ersten Wiesntags schon abgefüttert und vermutlich auch abgefüllt und die „frischen“ Gäste stehen vor der Tür und warten darauf, endlich die erste Maß zu bekommen. Ist das verrückt. Wie schnell so ein Jahr wieder rum ist. Jetzt sind es nur noch 3 Wochen. Nur noch 20 Tage und der Rest von heute.

Der Eingang. Die Tür. Zur Bratwurst.

 

„Ham sie reserviert?“

6 lange und wunderbare Jahre habe in der Bratwurst bedient. Maß hier, Bratwurst da, Flasche Kreislauf dort. In meinem Garten war mein liebster Platz. Egal ob Sonne oder Regen, Hagel oder Sturm – in meinem Garten hab ich mich immer sau-wohl gefühlt. Das waren definitiv die schönsten Wiesnjahre meines Lebens. Besser geht´s nicht. Vor zwei Jahren habe ich am letzten Wiesn-Abend zu meinen Stammgästen, die selbstverständlich alle da waren, gesagt: „des war die schönste Wiesn meines Lebens!“ und das hat irgendwie gestimmt. Und wenn´s am schönsten ist, dann muss man: nicht gehen, aber vielleicht muss sich ein bisschen was verändern. So ist es jetzt. Die Zeit und die Umstände habe es ein bisschen verändert. Ohne Bratwurst kann ich mir eine Wiesn nicht vorstellen. Muss ich Gott sei dank auch nicht. Die Bratwurst kann sich eine Wiesn ohne mich nämlich irgendwie auch nicht vorstellen. Wie das Schicksal also will, haben sich die Sterne neu sortiert und ich werde weiterhin Reservierungswechsel haben. Von der anderen Seite. Nicht mit dem Putzlappen in der Hand, sondern mit der Reservierungsliste. Die Sprüche werden die gleichen bleiben: „schön, dass ihr da seid, einen kleinen Moment dauerts noch, dann dürft ihr an Eure Plätze.“ Und die Diskussionen werden auch die gleichen bleiben: „Servus, habt´s ihr reserviert?“ „Nein, wir schauen nur ganz kurz rein, wollen schnell jemand besuchen, der drinnen sitzt!“ Ja – ich verstehe. Nein, es tut mir leid, dass geht trotzdem nicht.

 

„Ich bin ein Freund“

Eine Kölner-Karnevals-Band, die schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, hat vor vielen Jahren ein Lied geschrieben über Freunde. Über echte Freunde. „Minsche, die disch füher nit jekannt, kumme us de Löscher anjerannt, sin janz plötzlisch all mit dir verwandt…“ (auf Deutsch: Leute, die dich früher nicht mim Arsch angeschaut haben, sind jetzt, wo du was bist, dein Bruder – sofort blutsverwandt) Diese Phänomen kennt jeder, der schon mal mit Menschen zu tun hatte. In dem Moment, wo die Menschen was von dir haben können, sind sie deine Freunde. Nichts und niemand könnte euch trennen – aus deren Sicht. So lang sie was von dir bekommen. Im Bezug auf die Wiesn: wenn du Bedienung, Security oder gar Festwirt bist, dann hast du auf einen Schlag einen Haufen guter Freunde. Und gute Freunde möchten dich natürlich besuchen. Ganz selbstlos. Wenn des Zelt bum-voll ist, am Samstagnachmittag. Dann möchten dir deine „besten Freunde“ Gesellschaft leisten. Wie lieb von ihnen. „Ich bin eine Freundin von der Paula, ich wollte die nur kurz besuchen, die freut sich schon so mich zu sehen!“ steht ein grinsendes H&M-Dirndl vor der Tür und schwallt den Türsteher voll. „Die Paula hat jetzt überhaupt keine Zeit für dich, die muss arbeiten. Morgen Vormittag freut sie sich bestimmt über deinen Besuch, da hat sie dann auch Zeit zum ratschen!“  die kurze und knappe Antwort. Und die Paula? Die hat des Mädel noch gar nie gesehen. Nicht wissentlich zumindest.

Die wundersame Vermehrung des Freundeskreises…

 …beginnt meist in den letzten Tagen des Augusts. Da kommen die ersten Nachrichten in diversen Messengern von den „besten Freunden“ die du schon fast vergessen hast, weil die sich völlig überraschend schon ein ganzes Jahr nicht mehr gemeldet haben. „Meiiii, jetzt war so viel los die letzten Monate, aber jetzt komm ich endlich dazu, zu fragen wie´s dir geht Paula. Was treibst denn immer so? Arbeitest du dieses Jahr wieder auf der Wiesn?“ Aha. Da ich weiß, dass den Schreiber die Antwort auf seine ersten beiden Fragen eh nicht interessiert, antworte ich nur noch auf die letzte mit einem ehrlichen Ja. Die folgenden Nachrichten könnt ihr euch ja denken. „Mei schee. Da komm i di mal besuchen. Reservierst mir an Tisch am mittleren Samstagabend?“ Meine Antwort: „nein“ Nicht, weil ich nicht will, böse oder gemein bin. Sondern weil ich eine Bedienung bin und keine Hexe! Wo um Himmelswillen soll ich denn drei Wochen vor der Wiesn einen Tisch herzaubern? Ene mene eins zwei drei, Wiesntisch kommt jetzt herbei? Oder wie?

Natürlich findet eine solche Freundeskreisvermehrung nicht nur bei den Bedienungen statt. Auch von meinen Gästen weiß ich: wer einen Wiesntisch hat, hat viele Freunde. Von nah und fern. Und ausnahmslos alle diese Freunde haben von Oktober bis August einen dermaßen „Scheiß-Stress“ das sich keiner melden kann. Aber pünktlich zur Wiesn fällt denen wieder ein, dass da ja noch ein Freund in München ist, der ja immer einen Tisch hat. Ja mei.

Außnahmen bestätigen die Regel

Das ist natürlich eine ganz besondere Spezies Spezl. Völlig klar. Ich habe wunderbare echte Freundschaften. Genauso auch meine Kolleginnen und Kollegen. Wir alle haben wunderbare Gäste, die uns das ganze Jahr nicht „belästigen“ und pünktlich zur Wiesn bescheid geben: „alles wie gehabt?“ „Freilich!“ Diejenigen wissen aber eben auch, dass sie nicht um 17:30 Uhr ins Bierzelt kommen brauchen. Weil da Reservierungswechsel ist und kein Mensch Zeit hat und kein Tisch frei ist und kein Türsteher Nerven hat, sich den Sonderfall anzuhören. Diese Gäste warten ganz in Ruhe vor der Tür, bis sie reindürfen. Manchmal auch ein paar Minuten länger. Weil es halt nicht schneller geht. Weil grade Stau ist. Weil es grade einfach voll ist. Das ist so.

Die, die immer da sind! Auch unter dem Jahr

Seit ich selbst weiß, dass ich dieses Jahr einen „neuen“ Job auf der Wiesn habe, vervielfältigt sich mein „Freundeskreis“ jetzt schon rapide. „Servus, du kennst mich aus Dachau, ich komm am ersten Samstag um 12 zum Anstich. Lasst mi scho nei, oder? Ich bring noch 8 Freunde mit!“

 

Notiz: Reservierungswechsel beginnt um 17 Uhr – echte Fründe stonn zosamme – i g´frei mi scho so

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