Weihnachts-Halbzeit

Die letzte Wiesn ist 66 Tage her. Die nächste geht in 282 Tagen los. Wer aber jetzt denkt, München versinkt in einem Winterschlaf und gibt sich der staaden Zeit hin, der hat sich schwer geirrt. Freilich, der ein oder andere muss nach der Wiesn erstmal eine Entgiftungskur machen. Egal, ob körperlich oder geistig. Spätestens zum ersten Advent jedoch, zieht es die Münchner wieder in die Stadt. Zu einem der vielen Christkindlmärkte. Zu der ein oder anderen Weihnachtsfeier. Zum gemütlichen Augustiner. Letzteres vor alle deshalb, weil unser Winter irgendwie manchmal nicht kalt genug ist. Bei 12 Grad, unter blauem Himmel und einer hübschen Mütze auf dem Kopf schmeckt Glühwein irgendwie nicht wirklich. Da muss man schon mal warten, bis es dunkel wird. Geht ja zügig im Dezember. Wenn die Sonne weg ist, wird es auch kalt und dann leuchtet München im behaglichen Winterzauberlicht. Es duftet nach Bratwürsten, Glühwein, Zimt und Maroni. Und ein bisschen auch nach Apfel, Vanille und Pflaumen. Einfach wundervoll. Während man durch die kleinen Gassen zwischen den Ständen schlendert und sich die vielen kreativen Dekorationen für Christbäume, Weihnachtstische und Fenster ansieht, trifft man in München an jeder Stelle irgendjemand den man kenn. Immer. München ist ein Dorf. Egal auf welchem der vielen kleinen und großen Märkte man sich rumtreibt. Irgendwo steht immer einer den man kenn. Und sei es nur ein Standlmitarbeiter oder die Dampfnudel persönlich.

Bei der kleinen Dampfnudel fängt heute mein Weihnachten an. Zum einen, weil ich, örtlich gesehen, genau hier auf den einzigen und echten Münchner Christkindlmarkt treffe. (Das liegt im Übrigen nicht an irgendwelchen Zuazogene, Religiösen Problemen oder sonst irgendwas: der Christkindlmarkt ist der einzige in München der sich so nennen darf. Das gilt vor allem der besseren Orientierung. Das Original heißt Christkindlmarkt. Zum Rest kommen wird später) Und des liegt zum anderen daran, dass ich mich jetzt um diese Uhrzeit einfach auf einen frischen heißen Cappuccino freue. Wir schreiben es kurz vor elf in der Früh. Nicht die klassische Zeit für Weihnachtsvorfreude – aber für mich genau das, was ich heute brauche.

Die letzten Wochen waren vollgepackt. Arbeit. Termine. Stress. Viel zu erledigen. Einiges zu sortieren. Und ganz nebenbei noch geistiges Wiesn-Detox. Ja, ja, das Gift muss raus aus dem Kopf. Glaubt mir, davon hab ich dieses Jahr genug abbekommen.
Jetzt ist es aber vorbei. Der letzte Termin war heute Morgen um 10 Uhr. Jetzt darf es Weihnachten werden. Da mir noch ein paar kleine Geschenke für unter dem Christbaum fehlen, ich noch ein bisschen durch die Läden der Stadt schlendern will, habe ich mir den heutigen Tag einfach „frei“ genommen und lass mich von München in Weihnachtsstimmung versetzten. Das klappt schon beim Cappuccino hervorragend. Der Duft von Marzipan, Vanille und Zimt liegt rund um des kleine Standl in der Luft. Die „Dampfnudel“ kenne ich schon seit – puhhh, ich weiß gar nicht, ich weiß nur, dass mein Opa schon mit mir da war. Damals, auf der Wiesn. Als die ersten Zahlen des Jahres noch 1 und 9 waren.
Ob Schausteller, Standlbetreiber, Fahrgeschäft oder Mandelhütte – alles eine Familie und irgendwie gehören sogar die Bedienungen dazu. Deswegen kennt man sich eben. Deswegen freut man sich auch, wenn man sich kurz vor Weihnachten nochmal sieht. Weils eben irgendwie eine Familie ist.

Während ich mein koffeinhaltiges Heißgetränk genieße kommen natürlich auch andere Kunden am Standl vorbei. Gäste wäre übertrieben. Gäste benehmen sich so nicht. Es sind Kunden und die führen sich auf wie die Könige. Kein Bitte, kein Danke, aber ganz sicher einen blöden Spruch weil eh alles zu teuer ist, nichts recht ist und irgendwas passt gar nicht. Zuhören wollen die aber auch nicht. Dass auf der Tasse 4 Euro Pfand sind vergessen sie noch bevor es gesagt wurde und regen sich dafür auf, dass des Haferl Kaffee 6 Euro kostet. Mit UGG-Boots an den Füßen, großen Einkauftaschen aus Plastik von Zara, H&M und Hunkemöller stehen sie dann da, schlürfen ihren Kaffee und schimpfen. „Brauchens an Zucker?“ fragt die Dame die aus dem Stand. „Ist der noch nicht drin, könnte man bei 6 Euro ja erwarten!“ „Freilich – da hams recht, Moment!“ schon beginnt mein Kellner Herz höher zu schlagen: die Dampfnudel persönlich nimmt einen großen Löffel Zucker und schüttet ihn schwungvoll in des Haferl. „Bitteschön!“ Ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen und bin ganz froh, dass ich offensichtlich nicht der einzige Mensch auf der Welt bin, dem irgendwann mal die Hutschnur reißt.

Sie dreht sich zu mir um und raunt: „is doch wahr, oder? Da fragst, bist höflich, willst es den Leuten recht machen und die lassen ihren Grant einfach nur an dir aus! Mei bin i froh, wenn des vorbei is, des Jahr!“ ich grinse und frage: „und nächstes Jahr?“ sie lacht auch: „steh ma wieder da und freuen uns schon drauf!“ Genauso ist es.

Das Glockenspiel erklingt, ich bekomme ein bisschen Gänsehaut und genieße mein München in vollen Zügen. Dann verabschiede ich mich und mache mich auf den Weg, die letzten Weihnachtsgeschenke zu besorgen, bevor ich mich später am Nachmittag am Glühweinstandl verabredet habe. Schließlich wollte ich ja in Weihnachtsstimmung kommen. Des geht am besten mit Glühwein und einem netten Ratsch.

Was meine Weihnachtsgeschenke angeht: ich habe mir fest vorgenommen, dieses Jahr besonders darauf zu achten, Plastik und Müll zu vermeiden wo es geht. Auch bei meinen Geschenken. Es klappt tatsächlich ganz gut und es macht direkt Spaß. Weil so viele hier mitlesen und ich mir nicht die ganze Überraschung kaputt machen will, habe ich beschlossen, Euch erst nach Weihnachten von meinen Geschenken zu erzählen. Hat auch den angenehmen neben Effekt, dass ich Euch gleich berichten kann, ob und wie die Sachen angekommen sind. Selftest so zu sagen.

 

 

Ich freu mich jetzt auf einen feinen Rum-Punsch bei Hochreiter´s Glühwein-Hütte. Der Startpunkt für unseren diesjährigen „Münchner-Heißgetränke-Test“ – weil irgendwie jeder Glüh-Dings anders schmeckt und man muss ja schließlich mitreden können. Des is wie beim Bier. Am Ende sind Geschmäcker Gott sei Dank so verschieden wie die Menschen an sich. Nach dem dritten bis achten ist es wahrscheinlich auch egal, was du in dich rein schüttest. Aber der erste und auch der zweite, den darf man noch genießen und schmecken.
Rund um den Marienplatz haben wir heute alles Mögliche getrunken. Auch ganz viel ohne Alkohol, dafür trotzdem warm. Fazit: der weiße Glühwein beim Hochreiter ist der feinste. Der Kinderpunsch mit Schuss schmeckt am beste bei Glühwein & Co. und den besten roten Glühwein – den müssen wir noch suchen… Wir haben ja noch 12 Tage Zeit…
Auf geht´s in die „Staade Zeit“. Ganz ohne Stress. Und was vor Weihnachten nicht mehr klappt – des ist im neuen Jahr genauso gut!

Notiz: die Gesellschaft macht den Geschmack – endlich ein Ende – 1,70m ist ganz schön groß

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