Didioiweidahocka

Teil 1

 

Eine Wiesngeschichte über die, die immer da sind. Über Wiesn-Dauerbesucher, Stammgäste, Täglich-Geher und den Einlass-Wahnsinn an der Tür. Aufgeteilt in zwei Teile – weil es so viel ist!

Es gibt ja auf dera Welt Menschen, die warn noch nie auf der Wiesn. Es gibt welche die waren ein, zwei, ein paar Mal dort. Ich selbst gehöre eher zu der Gattung: meine Fehltage kann ich immer noch einzeln datieren. Grad auf der letzten Wiesn habe ich mich mit jemanden über die Fehltage unterhalten und festgestellt, dass das letzte Mal, als ich wirklich viele Fehltage hatte ich mit meiner dritten Tochter schwanger war. In dem Jahr war ich gesundheitsbedingt tatsächlich 4 Tage nicht auf der Wiesn. Was das angeht, bin ich in der Tat kein Unikat. Es gibt einen ganzen Haufen Menschen die jeden, wirklich jeden Tag auf die Wiesn gehen. Vom ersten bis zum letzten Tag. Nicht selten sind die schon zum Mittagessen dort.

Jeden Tag auf die Wiesn gehen – des geht ned. Aber 16 Tage im Jahr kann man des schon mal machen.

In fast jedem großen und kleinen Wiesnzelt gibt es solche festen Stammtische, die jeden Tag ihren festen Tisch haben. In unserer Bratwurst gibt’s besonders viele Stammgäste. Tägliche Stammgäste. Bei denen fällt es direkt auf, wenn sie mal nicht da sind. Oder aus irgendwelchen Gründen später kommen. Passiert eh selten genug, aber es passiert.

Urlaub auf der Wiesn

Der Durchschnitts-Wiesn-Münchner nimmt sich sowieso Urlaub zur Wiesn. Genaugenommen ist das auch das einzig vernünftige. Was soll man auch sonst mit den vielen Urlaubstagen anfangen. Es feiert sich auch viel entspannter, wenn man weiß, dass man am nächsten Tag nicht am offenen Herzen operieren muss. Wenn keine Mandanten auf einen warten und wenn man sich sicher sein kann, dass man nicht mit 8,3 Atü Restalkohol auf das nächste Dach steigen muss.

Ois die Gleichen – alle anders!

Wenn gleich alle Dauer-Wiesngänger im Prinzip den gleichen Tagesablauf haben, so gibt es doch von Grund auf verschiedene Typen. In meiner diesjährigen Position als „Tür“ habe ich des Mal so richtig live und in Farbe miterlebt. Da fällt einem des erst so richtig auf. Weil alle diese Typen, Stammgäste und Oiweidahocka zur Wiesn gehören wie der Schaum auf´n Augustiner und die Brezn zum Hendl, deswegen erzähle ich euch heute von denen. Und auch noch von ein paar anderen – aber lest selbst:

 

Die Wein-Königin

Die Wiesn ist weithin bekannt als größtes Bierfest der Welt. Nicht nur, weil es das Bier aus großen Gläsern gibt, sondern weil Bier einfach zu München gehört. Weil der Maßkrug ins Bierzelt gehört. Weil München stolz ist, auf seine Brauereien und auf seinen Gerstensaft – gebraut mit Münchner Wasser. Allerdings – gibt’s gerade bei der weiblichen Wiesnfraktion eine ganze Menge, die eigentlich gar kein Bier mag. Die maximal zum Anstich am ersten Samstag eine Maß in der Hand hat – allerdings nur fürs Instagram-Selfi. Damit die Follower wissen, dass die Wiesn jetzt losgeht. Und noch während sie den ersten Schluck verdauen, bestellen sie schon den Rebensaft. Klar – die Wiesn hat sich angepasst. Weinzelt, Weinlaube, Käfer – überall gibt’s Wein. Aber natürlich auch bei uns in der Bratwurst. Kleine und große Flaschen. Rot, Weiß, Rosé. Aus Gläsern mit langem Stiel oder aus dem schnucklig kleinen Steinkrügerl. Und ganz ehrlich – auf der Wiesn schmeck Weißwein und Rosé am besten aus dem Augustiner-Stoakriagal. Des ist einfach so.

Jedenfalls haben wir im Bratwurst-Biergarten eine echte Wein-Königin. Ungekrönt und ohne Zepter. Aber dafür auch ohne Fehltage. Vom ersten Samstag an war sie jeden Tag im Garten und hat mit Freundinnen und Freunden den Wein samt Wasser und die feinen Schmankerl aus der Bratwurstküchte genossen. Mal in einer kleiner Gruppen, mal in einer großen. Meistens sind die Damen nach der Mittagszeit bei uns eingetrudelt. Immer fesch gekleidet. Immer Wetterfest. Denen wars egal, ob es geregnet hat oder die Sonne gelacht hat. Ob ein zapfiger Wind geweht hat. Die Ladys waren da. Zum Ende der Wiesn habe ich dann mal gefragt, ob der Wein noch schmeckt. Die Antwort, und die wird sich in dieser Geschichte noch einige Male wiederholen, war nüchtern betrachtet der Wahnsinn: „Der erste Schluck tut weh, der zweite muss und beim dritten machts schon wieder Spaß!“

 

Die Champagner-Fraktion

Ganz ehrlich und aus tiefem Herzen: Chapeau! Wer 16 Tage lang Champagner trinken kann, hat meinen vollen Respekt. Ich weiß nicht, ob es an Maloxan oder Pantoprazol liegt, aber die Champagner-Fraktion in unseren heiligen Hallen hat alles gegeben. Und für den Fall, dass es an keinem der handelsüblichen Magenschoner liegt: mit Verlaub – aber des ist doch a „Sau-Mogn“!  Allerdings muss ich auch ehrlicherweise zugeben: diejenigen, die ich hier zu diesen Gästen zähle, sahen beim Heimgehen besser aus als beim Ankommen. Klar. Champagner tut dem Kreislauf gut. Damit verbunden natürlich auch dem rosigen Hautton. Und… unsere Champagner-Gäste haben vielen anderen Gästen gegenüber einen erheblichen Vorteil: die kommen meist erst zum Abend hin. Sind dann zwar auch noch 6 Stunden am Start aber im Stammgäste-Ranking die kürzeste Aufenthaltszeit in unserem Zelt. Ob die Herrschaft nachher noch weitere Runden an anderer Stelle drehen, entzieht sich meiner Kenntnis. Wenn sie allerdings vorher schon unterwegs waren – dann kommen sie mit strahlendem Gesicht und rosigen Wangen bei uns an. Ja, ja. Der Tür entgeht nix!

 

Die gemütlichen Mittags-Wiesn-Gänger

A Bierbratl, a Weißbier, a Schaumige und no a Maß und dann schau ma moi. So oder ähnlich lässt sich der Bestellablauf der Mittags-Wiesn-Fans ungefähr beschreiben. Die gehören definitiv zu den ersten Gästen in unserem Zelt. Nein. In unserem Garten. Gemütlich zam sitzen, ratschen und politisieren. Das ist die Mission dieser Sparte Wiesngänger. Nicht selten ist es so griabig, gemütlich und schee, dass sie ein erhebliches Sitzfleisch entwickeln und beim Servus sagen an der Tür völlig erschreckend festellen: „Au weh zwick. Jetzt is scho hoibe Neine auf´d Nacht. Jetzt werds Zeit, dass i des Mittagessen beende!“ Eine nicht außer Acht zu lassende Besonderheit an diesen Gästen: die kümmern sich immer bezaubernd um das „arbeitende Volk“. Gebrannte Mandeln, Schokofrüchte oder eine Fischsemmel. Es wird gebracht, was gebraucht wird. Das ist nicht nur sehr aufmerksam oder vor allem unwahrscheinlich lieb! Wann die dafür Zeit haben? Ja des ist ganz einfach: wenn man schon Mittag auf der Wiesn ist und sich an einen Tisch setzt, dann passiert es nicht selten, dass dieser Tisch im laufe des Tages mit anderen, seltenen Gästen gefüllt wird. Das hält der Gemütliche-Mittags-Wiesn-Gänger eine Zeit lang aus, aber irgendwann wird ihm des Schwadronieren an dem Tisch dann zu viel, dann muss er sich die Beine ein bisschen vertreten und schleicht sich ganz unbemerkt nach dem Toilettengang aus dem Zelt. Auf einmal steht er dann freudestrahlend und mit einem Mitbringsl wieder vor meiner Tür und freut sich: „Jetzt wern´s weg sei. Und wenn ned, dann suach i mia an andern Tisch!“

 

Im Teil 2 gehts weiter

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