Urlaubszeit

Noch 54 Tage und der Rest von heute

 

 

Sommer 2019. Greta ist eine Superheldin und segelt jetzt durch die Welt. Die Grünen liegen in den Umfragen gefühlt uneinholbar vorne. Autofahren und Ohrenstäbchen sind böse. In München werden Silvester-Böller verboten. Die Britten sind noch immer in der EU. Die Bayern haben immer noch keinen spektakulären Transfer zu verzeichnen. Und im Deutschen Fernsehprogramm kommt nix!

Im Volksmund heißt des „Sommerloch“. Ich finde Urlaubszeit klingt viel positiver. Muss ja auch mal sein, dass einfach Urlaub ist. Nix wichtiges passiert. Alles so dahin dodelt. Die Leute sich in sozialen Netzwerken über Dinge aufregen, die eigentlich Nonsens sind. Warum sie das allerdings tun, verstehe ich wiederum nicht. Kann denen des nicht einfach wurscht sein? Nein, jeder muss zu allem seinen Senf dazu geben.

Keep going

Kennt ihr dieses .gif mit der Popcornessenden Giraffe? Und dem „KEEP GOING“? Genau so geht es mir manchmal, wenn ich die Kommentare bei Facebook lese. Haben denn die Leute bei dem Wetter nicht besseres zu tun, als sich stundenlang gegenseitig zu beleidigen? Ist doch gar nicht nötig, oder?

 

Ferien dahoam – in de Berg oder am See

 

Ich bin ja bekennender Fan von unseren späten bayerischen Ferien. Ich finde es im August ganz schön schön daheim in Bayern. Es ist warm, die Sonne scheint und Bayern hat so wahnsinnig viel zu bieten im Sommer. See, Berg, Fluß, Wald und Stadt. Alles was man braucht. Und weil es alles so schön nah ist, kann man jeden Tag was anderes machen. Was haben wir für ein Glück!

 

Ein paar Tage lang habe ich jetzt dann auch Urlaub – und dann nehme ich Euch ein bisschen mit zu den schönen Ecken unserer Heimat. Für alle die, die jetzt eben keine Zeit haben, in den Urlaub zu fahren. Die Arbeiten müssen. Im Büro. Im Hotel. Im Restaurant.

Der erste Ausflug geht in die Berge. Nicht weit von München ins schöne Zillertal. Da wo im Winter die Pistenraupen tanken, die Schneekanonen sprühn… klingelts schon in den Ohren? Ja, ein bisschen ist es so wie in Reinhard Fendrichs überspitzen Heimatlied. Und ein bisschen ist der Sommer in den Bergen auch so, wie in den viel bespielten Komödien auf unseren Heimatbühnen. Voglwuid.

 

Aber erstmal müssen wir die A8 und insbesondere den Irschenberg bezwingen. Ja. Der erste Berg auf einer südlich liegenden Sommerreise. Keine Sau würde den Irschenberg kennen, wenn ihn nicht dauernd im Verkehrsfunk hören würde. Das ist tatsächlich so. Ich habe mal in Irschenberg gewohnt. Wenn mich jemand gefragt hat, wo ich daheim bin, war auf die Antwort Irschenberg direkt der nächste Satz: „Echt? Da wo immer Stau ist, da kann man wohnen?“ oder auch gerne genommen: „Ah, beim McDonalds! Ja, den kenn ich!“ ähm nein, ich wohne nicht im Mäci. Auch nicht drüber oder drunter. Seit neuestem kommt auch gerne: „Ah, Irschenberg, ja, wir fahren ja gerne zum Dinzler, aber es immer sooooo viel Stau auf der Autobahn und vom Mäci riechts immer so streng nach altem Fett!“ … also bitte – alle Irschenberger Attraktionen in einem Satz. Herrlich.

 

Irschenberg – viel mehr als nur McDonalds, Dinzler und Stau

 

Weil der Druchschnnitts-Münchner mindestens einmal jährlich über den Berg muss, finde ich, es ist an der Zeit mal mit einem Vorurteil aufzuräumen: Irschenberg ist viel mehr als nur McDonalds, Dinzler und Autobahnstau. Die Gemeinde Irschenberg besteht aus 143 Gemeindeteilen, hat Grundschule, Kindergärten und ein Kinderheim. In der Gemeinde leben mehr Rindviecher als Bauern und sie führt die Liste der Gemeinden mit dem höchsten Verbrecheraufkommen an. Laut Statistik. Weil oben am Irschenberg die Schleierfahndung so viele „kriminelle“ einkassiert. Ohne Auto kann man in Irschenberg kaum überleben und Kinder aus Irschenberg wissen, dass Kühe nicht lila sind und Fleisch nicht aus dem Supermarkt kommt. Als Preiss host immer no nix zum sagen und der Feuerwehrkommandant ist mit dem Bürgermeister Aushängeschild der Gemeinde. In Irschenberg gibt es Höfe, die sich selbst mit Wasser versorgen und nicht an die Leitungen angeschlossen sind. Die bei langer Trockenheit einfach kein Wasser mehr haben und warten müssen, bis die Zisternen wieder gefüllt sind. Verrückt. Aber das gibt’s wirklich noch. Genießen wir es, wer weiß wie lang das noch geht. Und Irschenberg hat einer der meistfotografierten Kirchen unseres schönen Landes – die Wahlfahrtskirche in Wilparting. Früher gabs mal ein schönes Wirtshaus dort – aber die Zeiten sind vorbei. Da streiten sich lieber die Großkopferten, wer wie wo was – naja, zum anschauen ist es immernoch schön da.

 

Des alle ist der Irschenberg. Mit all seinen Kirchen, Traktoren, Pferdekutschen und Rinderherden. Mit Biobauern und Landwirten. Schreinerreinen und Abschleppdiensten. Und mit der schönsten Aussicht oberhalb der Autobahn. Von da oben, kann man von München bis zum Wilden Kaiser schauen. Herrlich.

Durch diese Gemeinde müssen wir jeden Falls durch, wenn wir ins Zillertal wollen. Übrigens auch, wenn man über die Landstraße fährt und versucht, dem Stau zu entgehen. Irgendwann streift jeder mal den Irschenberg. Aber auch der längste Stau geht mal vorbei und dann ist man schon gleich im Inntal und spürt die herrlich frische Luft der Alpen. Die Bergmassive links und rechts wirken erhaben und schutzspenden. Und nach ca. 2 Stunden Autofahrt ist man schon in Mitten von unberührten Almwiesen, kleinen Bachläufen und kräftigen Tannen. Einfach wunderschön. Im Sommer.

Und plötzlich ist gar keine Zeit mehr, für nervige Kommentare in sozialen Netzwerken. Für lästige Probleme aus dem Bereich Nonsens. Und für Wehwehchen die eigentlich keine sind.

Es ist einfach Sommer in den Bergen. Die Kühe stehen mit ihren Kälbern mitten in der Landschaft, wandern hier und da einfach so über die Straße, ohne zu schauen. Der Verkehr muss sich nach ihnen richten. Es ist ihr daheim. Das Wetter macht was es will, ist kaum vorherzusagen und nicht planbar. Und die Ruhe ist himmlisch. Jetzt ist Urlaub. Für die Seele. Ein paar Stunden. In den Bergen. Und die Vorfreude steigt. Jeden Tag ein bisschen mehr…

 

Notiz: von oben hat man eine neue Perspektive – Bergkäse von der Alm ist ein Gedicht – Gipfelschnaps wird überbewertet

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