Sommer in der Stadt

 

Foto: SZ vom 20. September 2017 Günther Sigl Spider Murphy Gang (Florian Peljak)
 
I renn nackert durch’n Englischn Gartn
Sitz high aufm Monopteros
I kauf ma a Mass am Chinesischn Turm
Und flanier mit Dir auf da Leopoldstraß‘
I schlürf an Eiskaffee im Rialto
Und schau de junga Hasn noch
I glaub mei Chef muaß heit auf mi verzichtn
Ja i lieg vui liaber mit Dir im Gras
‚S is wieder Sommer
‚S is wieder Sommer
‚S is wieder Sommer
Sommer in der Stadt

 

Noch 60 und der Rest von heute

Es ist Ende Juli. Gestern war Kocherlball am Chinesischen Turm im Englischen Garten. Tausende haben in Dirndl und Lederhosn dem Sommergewitter getrotzt und bei einer frischen Maß schon morgens um sechs das Tanzbein geschwungen. Walzer, Polka, Zwiefacher und Münchner Française. Und es gab eine menge schicker Trachten zu bewundern. Von modern bis klassisch, von hochgeschlossen bis balkonien, von traditionell bis durchgeknallt. Es war alles dabei. Wie immer gabs auch in diesem Jahr den ein oder anderen Exoten zu bestaunen, Gwand-Technisch mein ich, Tracht ist ja schließlich auch ein weitreichender Begriff. Nakad war koana. A scho was wert… Im großen und ganzen gab es aber wirklich viele sehr sehr schöne und schicke Trachten zu bestaunen. Würde ich einen Preis für das Lieblingsgwand vergeben dürfen, ging dieser an den Trachten-Style-Experten Oliver Rauh – bis in Detail sah er mal wieder umwerfend aus.

Trachten-Style-Experte Oliver Rauh Schick bis ins kleinste Detail
 

Spätestens jetzt ist in München des Trachtenfieber ausgebrochen. Jetzt kommt die heiße Phase! Wer dieses Jahr noch kein frisches Dirndlgwand im Schrank hat, darf sich jetzt ranhalten. Schließlich ist die Volksfestsaison in vollem Gange. Und bis wir uns der Bavaria präsentieren dürfen, sind es auch nur noch 60 Tage – und der Rest von heute!

Bei uns in Bayern haben die Sommerferien noch nicht angefangen. In 5 Tagen erst, dann ist die A8 Richtung Süden wieder das zu Hause vieler Sonnenanbeter – zumindest für einige Stunden. Ungewollt erlangt der Irschenberg mal wieder höchste Popularität. Im Radio wird er alle 30 Minuten erwähnt. Auf der Inntalautobahn Richtung Brenner walzen Metalllawinen gen Süden. Die Spielplätze des Freistaats sind teilweise wie ausgestorben – Wohngebiete in denen Kindergärten und Schulen ansässig sind erfreuen sich für einige Zeit der erholungsbringenden Ruhe.

Und diese ganz besondere Ruhe, ist das faszinierende am August in München.

Selbstredend ist die Stadt voll mit Touristen. Sehenswürdigkeiten unserer altehrwürdigen Könige werden geradezu gestürmt. Kaufhäuser und Shoppingcenter locken mit ihren großzügigen Sommerschlussverkaufsangeboten ihre Kunden. Es ist Trubel in der Stadt – aber eben ein ganz anderer. Geschäftiges Treiben, wie man es aus den Frühsommermonaten kennt, verblasst. Man hört viele Sprachen, Dialekte und Akzente. Münchnerisch ist nicht dabei. Einzig in den Isar Auen oder im Hirschgarten findet man vereinzelt Münchner, welche ihren wohlverdienten Feierabend dort bei einem kühlen Bier und einem würzigen Wurstsalat verbringen. Und natürlich findet man bei sonnig-warmen Wetter auch den ein oder anderen „Nackerden“ Münchner im Englischen Garten.

Aber eigentlich ist München – aus Münchner Sicht – ausgestorben.

 

Foto: Nagy / Presseamt München
Foto: Nagy / Presseamt München

Das liegt zum einen natürlich an der Ferienzeit. Weil eben die großen Ferien sind. Das liegt zum anderen aber auch daran, dass sich München und natürlich auch die Münchner ein bisschen erholen müssen. In den vergangenen Monaten hat ein Festl das nächste gejagt, vom Tegernsee bis in den Olympiapark konnte man die neueste Dirndlmode erspähen und bei Livemusik die Abende mit Freunden verbringen. Jetzt heißt es „Kraft tanken“! Ruhe geben! Erholen! In die Berge fahren! An den See! Oder im Idealfall ans Meer! Im August gehört München den Touristen. Und den Bauarbeitern! Es wird renoviert und modernisiert, ausgebaut und erweitert und im Notfall wird ganz München auf den Kopf gestellt. Und all die fleißigen Hände, die nicht gerade Kaufhäuser umbauen, neue Straßen teeren oder Fahrbahnen erweitern – all diejenigen finden sich am Fuße der Bavaria ein. Dort wird großes Geschütz aufgefahren. Bagger, Gabelstapler, LKW´s, Hebebühnen und noch mach andere Gerätschaften, karren viele Hundert Tonnen Stahl, Holz und Kabel auf die Theresienwiese. Das alles will verbaut werden. 10 Wochen haben die Jungs und Maschinen Zeit, 14 große und 21 kleine Festzelte aufzubauen.

 

Unsere Wiesn lässt sich schon erahnen…

 

Dazu kommen dann irgendwann Sanitäranlagen, Polizeiwache, Notfallstation und jede Menge Fahrgeschäfte, kleine Standl und Karussells. Die Theresienwiese ist in dieser Zeit überwiegend gesperrt. Logisch. Spätestens seit „Winterkartoffelknödel“ wissen wir: wenn einem ein Bau-Container auf den Kopf fällt, macht des keinen guten Eindruck. Am Abend und an den Wochenenden darf man aber auf einigen Wegen über Münchens größte Baustelle laufen – und das ist irgendwie ein wundervolles Gefühl. 60 Tage bevor es endlich wieder heißt: O´zapft is! kann man als Wies´n-Kenner bereits deutliche Fortschritte erkennen. Der Paulaner-Turm am Winzerer Fähndl steht schon, das „Himmel der Bayern“-Schild ist bis in weite Ferne zu erspähen und das, wie ein Fachwerkbau anmutende Weinzelt, hat bereits ein grünes Dach. Beim erste „Wies´n-Spaziergang 2019“ kribbelt es jetzt leicht unter der Haut. Und wenn ich jetzt die Augen schließe und einen Moment innehalte – dann kann ich gebrannte Mandeln riechen…

60 und der Rest von heute. Der Countdown hat begonnen.

Für den Fall, an das es an dieser Stelle noch jemanden gibt, der keinen Ohrwurm vom eingangs zitierten Lied hat: wird hier nachgeholt…

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